Kleine Patienten in Not e.V.

Initiative "Trost spenden"

Bennys Geschichte

 

Benny und Hugo liefen die kurze Strecke zu der großen Eiche. Zwischen zwei Sträuchern, die unter der Eiche wuchsen, stand eine alte Bank, auf die sie sich auch sogleich setzten. Dann fing Benny wieder an zu reden:„Also, wo war ich stehen geblieben? Ach ja, jetzt weiß ich es wieder. Nach kurzer Fahrt traf also der Krankenwagen mit mir und dem verletzten Hasenmädchen am Krankenhaus ein. Kaum stand der Wagen, wurde die Trage mit uns beiden herausgehoben und es ging im Eilschritt zur Röntgenstation - so schnell, dass ich mich ganz doll festhalten musste, um in der Kurve nicht hinunter zu fallen.‚Hui, Platz da, wir kommen!’, rief ich übermütig und das Hasenmädchen musste trotz der Schmerzen lächeln.“ „Du, Benny, was ist denn Röntgen?“, fragte Hugo dazwischen.„Da machen sie Bilder von deinen Knochen, um zu sehen, ob etwas gebrochen ist. Das sieht dann ganz gespenstisch aus.“, antwortete Benny und fuhr fort:„In der Röntgenstation war alles blitzsauber. Leider waren aber nicht einmal Bilder an den Wänden und ich dachte, wenn ich hier arbeiten würde, wäre es viel gemütlicher. Aber da kam auch schon der Röntgenarzt und schob die Trage in den Röntgenraum. ‚Ich habe Angst!’, flüsterte das Hasenmädchen mir ins Ohr. Ich schaute ihr ganz tief in die Augen und sagte:‚Das kann ich mir gut vorstellen–es ist alles so fremd hier. Aber was immer auch passiert, ich bleibe bei dir. Und nachher bekommen wir ein wunderschönes Zimmer und können uns ein bisschen ausruhen. Doch zuerst macht der Arzt ein paar Bilder von deinem Ohr, damit man genau weiß, was kaputt gegangen ist, und man dir helfen kann. Schau mal, da ist der Apparat. Ich glaube, du musst ganz, ganz still liegen, damit die Bilder nicht verwackeln. Wäre es nicht lustig, wenn ich auch mit drauf wäre?’Ich redete und redete, damit das Hasenmädchen abgelenkt war, bis die Aufnahmen gemacht waren und sie gar keine Zeit mehr hatte, Angst zu haben. Inzwischen legte der Arzt das Hasenmädchen auf den Röntgentisch und erklärte ihr, wie sie ihren Kopf legen sollte, damit es schöne Bilder gäbe. Dann ging er raus und der Apparat machte ein bisschen Lärm. Ich weiß nicht, wer in diesem Moment ängstlicher war. Sie oder ich. Nur gut, dass sie mich so fest an sich gedrückt hielt, so halfen wir uns gegenseitig. Dann kam der Arzt zurück.‚Du warst aber tapfer, junge Dame!’, sagt er, ‚Möchtest du die Bilder mal sehen?’Das Hasenmädchen nickte mit großen Augen und auch ich reckte den Hals, um einen Blick darauf zu werfen. Der Arzt erklärte:‚Siehst du, hier ist ein Knick in deinem Ohr. Er ist Gott sei Dank nicht so schlimm und wird schnell wieder heilen. Wir machen dir einen leichten Verband darum. Außerdem du darfst ein paar Tage nicht aufstehen, weil du eine Gehirnerschütterung hast. Hattest du denn keinen Helm auf?’ Das Hasenmädchen schüttelte den Kopf und verzog das Gesicht ein wenig, wahrscheinlich tat ihr die plötzliche Bewegung weh, und sie sagte:‚Nein, Mama hat gesagt, dass ich soll, aber ich habe nicht auf sie gehört.’Sie fing an zu weinen.“„Das arme Ding!“, warf Hugo mitleidig ein.„Was sie alles mitmachen musste.“„Ja, aber ich glaube, dass sie daraus gelernt hat. Jedenfalls war das Schlimmste jetzt vorbei. Der Arzt wickelte eine riesige weiße Binde um das Ohr, gab ihr ein paar Beruhigungstropfen und dann schob uns eine Krankenschwester auf die Kinderstation. Schon auf dem Weg dorthin merkte ich, dass das kleine Hasenmädchen immer stiller wurde. Und als wir in unserem Zimmer angekommen waren, schlief sie schon tief und fest. Eine kleine Weile blieb ich noch bei ihr im Arm liegen, dann stand ich auf und wollte mir etwas zu trinken holen, denn ich hatte inzwischen einen riesigen Durst. Ich hüpfte also vom Bett und lief hinaus auf einen Gang mit vielen Türen. Die Tür zu unserem Zimmer ließ ich offen, sonst hätte ich es nicht wieder gefunden. Auf der Suche nach etwas Wasser schaute ich in viele der anderen Zimmer und in jedem lagen Kinder, die krank oder verletzt waren. Ich war richtig erschrocken, ich hatte mir ja noch nie Gedanken darüber gemacht, wie es in einem Krankenhaus ist. Nach einer Weile setzte ich mich auf einen Stuhl und dachte nach. Mir ging durch den Kopf, wie gut es dem kleinen Hasenmädchen getan hatte, dass ich einfach nur da war. Vielleicht ginge es anderen Kindern auch so. Also öffnete ich die Tür, die mir am nächsten war und….“„Und…?“, fragte Hugo,„und was weiter?“„Weißt du was, Hugo, vor lauter erzählen bin ich jetzt genauso durstig, wie ich es im Krankenhaus war. Was hältst du davon, wenn wir uns jetzt erst einmal auf die Suche nach deinem Zuhause machen. Wenn wir es gefunden haben, kannst du mich zu einer Tasse Tee einladen und ich erzähle dir die nächste Geschichte?“„Du machst es aber spannend. Aber mir soll es recht sein. Also, wir müssen nach einem großen Baum suchen, mit einer Bank darunter und…“„Hugo!“„…und dann sind da auch noch Sträucher…..“ „Hugo!“„Ja, Benny, warum unterbrichst du mich denn dauernd?“„Hugo, schau dich doch einfach mal um und sage mir, ob dir hier irgendetwas bekannt vorkommt.“Hugo drehte sich wieder einmal im Kreis und blieb dann verblüfft stehen.„Hier sieht es ja aus wie zuhause!“, gab er verblüfft von sich, rannte hinter den dicken Stamm der Eiche und rief gleich darauf: „Benny, das ist auch mein zuhause. Komm rein, dann bekommst du deinen Tee und ich die nächste Geschichte.“Kopfschüttelnd ging auch Benny um den Baum herum und trat durch die kleine Tür in die Höhle von Hugo.

 

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